Prototyp

Die Sterne stets im Blick

ESO/B. Tafreshi (twanight.org)

28 März 2017   Ralf E. Stranzenbach

Nachdem Thomas Wassmuth die Dortmunder Zeitungen über den anstehenden “Tag der Astronomie” informiert hat, berichtet nun die Dortmunder Zeitung über den Astronomischen Verein.

Auf unsere Ankündigung der geplanten öffentlichen Beobachtung hin, hat eine Reporterin der Dortmunder Zeitung kurzfristig um einen Termin gebeten. Dieser Termin konnte von Thomas Wassmuth wahrgenommen werden, der an diesem Tag auch die für den Folgetag vorgesehene Aktion vorbereitete.

So standen die Gerätschaften bereit, um unsere Beschäftigung mit dem Thema Astronomie in jeder Beziehung präsentieren zu können. Das Ergebnis ist ein in der Ausgabe vom 28. März 2017 der Dortmunder Zeitung erschienener umfangreicher und vor allem auch kurzweiliger Bericht.

Die Sterne stets im Blick

Wenn Thomas Wassmuth an der Sternwarte im Westfalenpark den Nachthimmel fotografiert, darf das Wichtigste nicht fehlen: schwarze, große Müllsäcke. Die stülpt er dann über die Straßenlaterne am Wegesrand. Sonst verdirbt das Licht seine Bilder. Zum bundesweiten Tag der Astronomie hat der Astronomische Verein Dortmund gestern an der Volkssternwarte Einblick in seine Arbeit gegeben. Ein Crashkurs in Astrofotografie.

Die Ergebnisse faszinieren: ein klarer Sternenhimmel, die Milchstraße mit all ihren Details, eine Sternexplosion mit rosa Nebel, leuchtend tanzende Bögen auf der Sonne. Die Grundbegriffe aber klingen kompliziert: H-Alpha-Filter, Skytracker, Seeing, Stacken und Lichtverschmutzung.

Dabei braucht es für das perfekte Foto gar nicht viel Ausrüstung. Wassmuths Kamera für Astrofotografie ist rot, klein und rund. „Wie eine Dose Schuhcreme“, sagt er. Statt des Okulars schraubt er die Kamera auf sein kleines Teleskop. Per USB ist der Laptop angeschlossen und zeigt direkt die Aufnahmen: eine große, dunkelrote Sonne. Sieben Fotos macht die Kamera in gerade einmal einer Sekunde, auch über hundert sind möglich – so gering ist die Belichtungszeit.

„Man hat zwei Versuche die Sonne, ohne Filter zu beobachten“, sagt Thomas Wassmuth. „Das erste Mal mit dem einen, das zweite Mal mit dem anderen Auge.“ Er grinst. Ein H-Alpha-Filter verhindert, dass das Auge erblindet. Ohne ihn würde die Netzhaut beim Blick durch das Teleskop in die Sonne durchbrennen. Sofort. Auch der Chip einer Kamera wäre kaputt. Der Filter aber lässt vom gesamten Lichtspektrum nur einen kleinen Ausschnitt an Licht durch. Unschädlich, aber noch genug für das Bild.

Kamera dreht sich

Bei Fotos von Sternen, der Milchstraße oder anderen Galaxien hingegen wird manchmal auch mehrere Stunden lang belichtet. Damit genug Licht auf die Kamera fällt. „Dabei ist es wichtig, dass die Kamera sich mit dreht“, sagt Wassmuth. Sonst wäre der Stern am Himmel auf dem Foto kein Punkt, sondern nur ein dünner Strich – der Erdumdrehung wegen.

Dafür ist der Skytracker da. Grundbegriff Nummer zwei. Er trickst die Rotation der Erde aus. Dieser kleine schwarze Kasten sitzt unter dem Teleskop und dreht es genau entgegengesetzt der Erdumdrehung und im selben Tempo. „In 23 Stunden 56 Minuten und vier Sekunden dreht er sich einmal um sich selbst“, sagt Wassmuth. „Ein Sterntag.“

Auch das große Teleskop an der Sternwarte im Westfalenpark dreht sich in dieser Geschwindigkeit. „Je länger ich für ein Foto belichte, desto mehr Details sehe ich.“ Und da gibt es am Himmel einiges zu entdecken. Als Fotomotiv beliebt ist der Gasnebel. Rosarote Schwaden vor dunklem Sternenhimmel. Was dort oben so farbenfroh leuchtet, ist Gas, das ein Stern am Ende seines Lebens abstößt.

Die Qualität des Fotos steht und fällt letztlich mit dem Seeing - Grundbegriff Nummer drei. Das heißt, die Luft selbst kann ein Bild verderben: „Die Luft bewegt sich und macht dadurch manche Bilder unscharf und schlierig.“ Je trockener die Luft ist, desto weniger Bewegung ist in ihr, desto geringer ist das Seeing.

500 Fotos übereinander

Damit die Bilder letztlich scharf werden, macht Thomas Wassmuth mehrere Fotos und legt sie übereinander – das Stacken, Grundbegriff Nummer vier. Bei Sonnenbildern braucht er etwa 500 Aufnahmen, bis das Foto komplett scharf ist.

Ein weiterer Störfaktor: Lichter an Straßen und Häusern hellen den Nachthimmel auf. Auf den Fotos wird das sichtbar: Der Himmel wird dann rotbraun. Ein Negativbeispiel für eine hohe Lichtverschmutzung, vierter und letzter Grundbegriff, ist Dortmund. „Schlimmer geht es gar nicht“, sagt Wassmuth. In ländlichen Gebieten hingegen ist die Lichtverschmutzung gering, der Nachthimmel dunkel. „Die besten Bilder machen Sie in Namibia oder Südamerika“, sagt Wassmuth.

Der Unterschied auf Fotos sei immens. Er selbst war noch nicht dort, würde aber gerne einmal hinfliegen. Die schwarzen, großen Müllsäcke, die er hier für die Straßenlaterne braucht, kann er dann mit Sicherheit zu Hause lassen.