Die Teleskop Doktoren

ESO/B. Tafreshi (twanight.org)

26 November 2017   Ralf E. Stranzenbach

In der vorigen Woche erreichte uns eine Anfrage über unsere Webseite:

Nachricht: Hallo,

vor einigen Wochen habe ich mir mein erstes Teleskop, ein Skywatcher N 200/1000 BD mit NEQ-5 Montierung, zugelegt. Leider schaffe ich es nicht, das Bild scharf zu stellen. Da dies mein erstes Teleskop ist, habe ich so gut wie keine Erfahrung, und auch im Internet finde ich nichts was mir weiterhelfen könnte.
Daher wäre nun meine Frage, ob sich bei Ihnen im Verein jemand mit dieser Sorte Teleskope auskennt und sich dazu bereit erklären würde sich mein Teleskop anzuschauen, um mir eventuell sagen zu können, wo genau mein Problem liegt. Gerne komme ich mit meinem Teleskop nach Dortmund.

Das hier beschriebene Teleskop ist eigentlich ein gutes Produkt, dass ich selbst auch einmal in Betracht gezogen habe. Daher wunderte es mich dass dieses Teleskop nur ein unscharfes Bild liefern sollte. Daher habe ich die Nachricht beantwortet und die Dame in die Sternwarte eingeladen:

in diesem Fall eine Ferndiagnose zu stellen, ist schwierig. Möglicherweise ist es nur notwendig, die Spiegel korrekt gegeneinander auszurichten. Sie können jedoch gerne an einem der nächste Samstag in der Sternwarte vorbeischauen, dann können wir uns das Teleskop ansehen und die Ursache möglicherweise lokalisieren. Insbesondere einige unserer „alten Herren“ haben in den vergangenen Jahren Erfahrungen auch mit dem Selbstbau von Teleskopen gesammelt und verfügen daher über die notwendige Erfahrung, auch Ihr Newton Teleskop untersuchen zu können.

Thomas Wassmuth hat dann direkt angerufen und einen Termin für den 26. November vereinbart. Da gegen 17:30 das Heimspiel des BVBs (mit einem unentschieden) beendet war, waren auch Parkplätze am Eingang des Westfalenparks verfügbar und wir trafen unseren Gast an der Schranke.

Wir habe dann zunächst einmal in der Sternwarte den Fang- und Hauptspiegel justiert. Beide waren durch den Transport offenbar so weit verstellt, dass man anfangs den Lichtpunkt des Lasers nicht einmal auf der Skala hat sehen können. Nach einigen Minuten jedoch war diese Fehlstellung korrigiert und wir haben die Empfehlung ausgesprochen, sich doch einen eigenen Kollimator zu erwerben. Wird ein Newton transportiert, kann sich die Einstellung der Spiegel schnell einmal verschieben und sollte dann vor der Beobachtung kurz korrigiert werden.

Danach haben wir das Teleskop nach draussen gestellt. Natürlich, wer hätte es anders erwartet, haben sich in der Zwischenzeit Wolken über den Himmel geschoben und die Mondsichel, die ein schönes Sichtobjekt gewesen wäre, war nicht mehr zu finden.

Daher haben wir eines unserer Okulare in den 2-Zoll Auszug gesteckt und den Fernsehturm angepeilt. Wenig überraschend sahen wir im Okular dann das langweilige, gewohnte, aber knackscharfe Bild der Aussichtsplattform. Dann haben wir die mitgelieferten Okulare ausprobiert, die nach dem Entfernen eines Zwischenrings am Auszug dann auch den Fokuspunkt erreichen konnten. Wenn auch die Qualität dieser Okulare deutlich schlechter war, ein brauchbares Bild für erste Beobachtungen konnte auch damit erreicht werden.

Bis zum Einsetzen der angekündigten Regenschauer haben wir dann noch eine Weile der Dame erklärt, wie sie ihre DSLR-Kamera montieren kann, um etwa Bilder des Mondes zu erstelle. Und bei der Gelegenheit haben wir auch kurz vorgeführt, wie mit einer kleinen Web-Kamera dann später auch Bilder von den Planeten erstellt werden können.

Der Regen trieb uns dann zurück in die Sternwarte.

Als der Regen sich verogen hatte und wir das Teleskop dann zurück zum Auto transportierten, hatte sich der Himmel aufgeklart und Mond wie Sterne präsentierten sich.

Mir hat es Spass gemacht, mich als Teleskop-Doktor zu betätigen. Ich kann nur hoffen, dass weitere Interessenten mit ihren Teleskop-Problem den Weg zu uns finden und nicht einfach ihre Erwerbungen enttäuscht in einer Ecke verstauben lassen.